Relevanz von Gender- und Diversitydimensionen (AP 2-9)

Die Relevanz von Gender- und Diversitydimensionen bei der Förderung von gesunder Ernährung in verschiedenen Lebensphasen

„Also ich bin zufrieden, also, ja, ich möchte halt schon dünner sein“ – so ein junger Mann, der an einer unserer Gruppendiskussionen teilgenommen hat. Welchen Ernährungsprinzipien folgen also junge Männer? Wie kommt es zu Mangelernährung in westlichen Industrienationen, z. B. bei älteren Menschen und sehr jungen Frauen? Wie wirken sich Selbstoptimierungskonzepte auf die Auswahl von Lebensmitteln in der Gruppe der erwerbstätigen Männer und Frauen aus? Dies sind einige der offenen Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen. Denn: Das individuelle Ernährungsverhalten basiert nicht allein auf genetischen Faktoren, sondern ist auch kulturell, gesellschaftlich und sozial geprägt [1]: Reaktionen anderer Menschen [2, 3], negative emotionale Erfahrungen [4], Genderstereotype [5] und weitere Faktoren beeinflussen Ernährungsverhalten und -gewohnheiten.

Bisherige Informations- und Werbekampagnen allein führen nicht zu Verhaltensveränderungen, selbst wenn die eigene Gesundheit gefährdet ist. Welche sozialen und kulturellen Effekte beeinflussen unsere Entscheidungen dabei im Laufe unseres Lebens? Wie lässt sich Widerständigkeit (Resilienz) gegenüber nachhaltiger Verhaltensänderung erklären und überwinden?

Ziel des Projektes ist, soziokulturelle Erklärungsmuster für das Ernährungsverhalten verschiedener („diverser“) Personengruppen zu erheben und diese sowohl in die direkte Produktentwicklung, als auch in die Gestaltung von Informationskampagnen zu integrieren. Dabei werden zum einen verschiedene Altersgruppen betrachtet (Jugendliche, Erwachsene, Senior/innen), zum anderen werden die Geschlechter berücksichtigt. Mittels eines Methodenmix aus Fokusgruppen und biografischen Interviews werden die Bedürfnisse, Wünsche und Motivlagen der Zielgruppen erforscht.

Dabei werden folgende Forschungsfragen behandelt:

  • Was sind individuelle Motive für Resilienz und Verhaltensänderungen in den Ernährungsgewohnheiten? 
  • Was sind relevante Gender- und Diversityfaktoren, die das Verhalten beeinflussen?
  • Wie können diese Faktoren in der Produktentwicklung, in Ernährungsprogrammen und -kampagnen berücksichtigt werden?

In der ersten Projektphase werden Erkenntnisse über die Relevanz von Gender- und Diversitydimensionen bei den Ernährungsmotiven der Personengruppen gewonnen. Diese bilden die Basis für die Entwicklung neuer gender- und diversitysensibler Kampagnen für Produkte und gesunde Ernährung, für die Akzeptanz dieser Produkte in den unterschiedlichen Zielgruppen sowie für eine verbesserte Identifikation und Nachfrage in identifizierten Risikogruppen.

 

Literatur:

[1] Setzwein, M. (2009): Frauenessen - Männeressen? Doing Gender und Essverhalten. In: Kolip, P./ Altgeld, T. (Hrsg.): Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung und Prävention. Weinheim, München: Juventa. S. 41-60

[2] Striegel-Moore, R.H. et al. (2002): Abuse, bullying and discrimination as risk factors for binge eating disorder. In: American Journal of Psychiatry, 159 (11). S. 1902-1907

[3] Steiner, H. et al. (2003): Risk and protective factors for juvenile eating disorders. In: European Child & Adolescent Psychiatry, 12 (1). S. 38-46

[4] Reich, G. (2008): Ess-Störungen - Einflüsse der Peergroup. In: Klein, M. (Hrsg.): Kinder und Suchtgefahren. Stuttgart: Schattauer. S. 200-206

[5] Wilk, N. M. (2013): Vom „Curryking“ zum „LadyKracher“. In: GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 5(1). S. 120-128

Projektleitung

Prof. Dr. Susanne Ihsen

Technische Universität München
TUM School of Education
Gender Studies in Ingenieurwissenschaften

Tel.:    +49 (0) 89 28922936
Email: ihsen[at]tum.de

Projektmitarbeiter

Sabine Härtl

Technische Universität München
Gender Studies in Ingenieurwissenschaften

Tel.: +49 (0)89 289 22916
Email: sabine.haertl[at]tum.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Jutta Roosen

Technische Universität München
Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung

Email: JRoosen[at]tum.de