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Sonstiges

Frag die ESSERwisser!

Frage von Agathe: Autoimmunerkrankungen Krankheiten und Mikrobiom via Ernährung beeinflussen

Wie hängen inflammatorische Erkrankungen mit der Ernährung zusammen und könnten Krankheiten wie Psoriasis ggf. gelindert (geheilt?) werden, wenn eine personenspezifische Ernährungsumstellung unter Einbezug einer vorausgehenden Analyse und "Umbau" des Mikrobioms in die Therapie der Betroffenen einfließt bzw. Im Fokus steht? ( Im Prinzip viele Systemische Erkrankungen oder auch Gefäßerkrankungen)

In Betrachtung des direkten Zusammenhangs von Immunsystem und Zusammensetzung des Mikrobioms, welches über die Nahrungsaufnahme beeinflusst wird, erscheint obige Frage / zugleich auch Annahme, als Konsequenz logisch, oder nicht?

Mit freundlichen Grüßen 

Agathe 

 

Juni 2021

Antwortet: PD Dr. Klaus Neuhaus, Head of the Core Facility Microbiome, ZIEL – Institute for Food & Health

Sehr geehrte Frau Agahte S.,

vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Fragestellungen und Forschungen!

Leider ist Psoriasis als Autoimmunerkrankung bisher nicht ursächlich heilbar. Dennoch hat die Ernährung in der Tat einen Anteil an der Ausprägung von solchen Krankheiten. Das Mikrobiom des Menschen ist aber sehr komplex und die Wissenschaft kommt hier – noch – an Grenzen. Man kann bisher keine personalisierte Ernährung anhand des analysierten Mikrobioms vorschlagen, auch wenn solches bereits von einigen Firmen angeboten wird. Die Zusammenhänge zwischen Mikrobiom, eigener Genetik, Befindlichkeit und Ernährung werden zwar mit Hochdruck erforscht, sind aber in weiten Teilen, vor allem auf der Ebene einer einzelnen Person, noch unverstanden. In der Regel gilt aber eine ballaststoffreiche Ernährung als eine gesunde Ernährung. Zum Beispiel bilden die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung den momentanen wissenschaftlichen Konsens gesunder Ernährung ab. Drastische Ernährungsumstellungen / Diäten sollte man ggf. vorher mit seinem behandelnden Arzt absprechen.

 

 

Frage von Steffi:

Ich habe eine Ernährungsfrage an die ESSERwisser.

Und zwar esse ich keine Nudeln und (Weiß)brot, weil ich dadurch Fressflashs am nächsten Tag kriege. Ich versuche mich an mein Intervallfastensystem von 13-21Uhr zu halten, aber wenn ich am Abend vorher Nudeln oder Brot gegessen habe fällt es mir RICHTIG schwer, nicht schon um 10 irgendwas zu essen! Was ungesunden und VIEL.

Ist das normal, bilde ich mir das ein oder ist es nur bei manchen Menschen so...? Und wie kann ich den Effekt verhindern?

Steffi

Antwortet: Susanne Schmidt-Tesch, Institut für Ernährungsmedizin Klinikum rechts der Isar Technische Universität München

Liebe Steffi,

„Jeder Mensch ist ein Individuum und hat auch bestimmte Essgewohnheiten erlernt. Insofern ist es normal, dass es kleine Unterschiede im Stoffwechsel gibt. Die Bandbreite wie eine gesunde Ernährung umgesetzt werden kann, ist dabei durchaus groß und kann somit individuell angepasst werden. Sie geht über verschiedene Ernährungsformen, wie Mischkost, vegetarische Kost, dem Mittelmeer vergleichbare Ernährungsweise u.s.w. Auch wie oft  gegessen werden soll, richtet sich vielfach nach den individuellen Hungergefühl und Gewohnheiten. Beim gesunden Menschen können es 2 bis 5 Mahlzeiten pro Tag sein. Allen gemeinsam sind 5 Gemüse- und Obstmahlzeiten, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte  sind zu bevorzugen und Zuckerhaltiges nur in sehr kleinen Mengen genießen. Auch zwischen den Mahlzeiten sollte nicht genascht werden. Dass nach dem Genuss von Weißmehlprodukten, der Hunger schneller kommt, ist normal. Die enthaltenen Kohlenhydrate sind für unser Verdauungssystem leicht zugänglich und können schnell bis zum Traubenzucker (Glukose) aufgespalten werden und so durch die Darmwand ins Blut geschleust werden. Dort werden sie mit Hilfe von Insulin in die Zellen gebracht werden. Bei Ihnen wird eventuell die Insulinproduktion durch Zucker und Weißmehlprodukte besonders angeregt, sodass es zu einem erhöhten Hungergefühl kommen kann. Vollkornprodukte helfen dem entgegen zu wirken. Auch sollten Sie Kohlenhydrate wie Reis, Nudeln, Kartoffel und Brot nicht isoliert essen, sondern immer zusammen mit Protein und Fett: Vollkornbrot mit Käse, Vollkornnudeln mit Gemüse, etwas Olivenöl und geriebenen Parmesan, Vollkornpfannkuchen gefüllt mit Gemüse und etwas Käse überbacken, Gemüseaufläufe oder auch ganz klassisch: Rinderbraten mit Kartoffeln und Rotkraut. Ansonsten stellt sich auch die Frage, ob die Mahlzeitengestaltung für Sie die Richtige ist. Vielleicht sind drei Mahlzeiten, z. B. 10 Uhr, 15 Uhr, 20 Uhr und 14 Stunden Pause über Nacht besser oder 10 und 18 Uhr bei 2 Mahlzeiten.“

Frage von Tanja

Sehr geehrte Damen und Herren, Sehr geehrte ESSERwisser,

das Thema der Lebensmittelverschwendung wird bereits mit zahlreichen Aufklärungs- und Informationskampagnen aufgegriffen, um in das Bewusstsein der Menschen zu gelangen.

Die privaten Haushalte in Deutschland verzeichnen einen hohen Anteil von Lebensmittelabfällen

Davon wären theoretisch die Hälfte vermeidbar.

Meine Fragen lauten:

--> Welche weiteren Maßnahmen/Lösungswege halten Sie für wirkungsvoll, um das Verhalten der Menschen zu ändern?

--> Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die Unverträglichkeit zwischen dem Sachverhalt der Lebensmittelverschwendung und der Verbraucher erklären?

Ich freue mich auf Ihre Meinung zum Thema der Lebensmittelverschwendung!

 

Antwortet: Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)

Liebe Tanja,

aufklärungskampagnen zur Sensibilisierung der Verbraucher für die Thematik Lebensmittelverschwendung sind aus unserer Sicht ein wichtiges Werkzeug. Bereits in KITAS und Schulen sollten Kinder mit der Thematik in Berührung kommen, das KErn hat hier unterschiedliche Lehrmaterialien wie zum Beispiel die Lebensmittelfreunde mit dem Lebensmittelretterführerschein und den Lernzirkel „köstlich und kostbar“ entwickelt und Aktionen wie Fotowettbewerbe oder Kinder-Unis veranstaltet.

Für eine breite Zielgruppe sind interaktive Materialien zum Thema Lebensmittelverschwendung wie die virtuelle Küche und die Wanderausstellung „Restlos gut essen“ konzipiert worden, die auf Veranstaltungen und in Museen genutzt werden.

Um eine langfristige Verhaltensänderung zu bewirken ist auch ein digitaler Ansatz sehr vielversprechend, da hier konkrete Tipps gegeben werden, die Schritt für Schritt in den Alltag integriert und umgesetzt werden können. Das KErn hat mit Partnern die stocky App im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt, die Verbrauchern hilft, ihre Einkäufe besser zu planen, die Vorräte im Blick zu behalten und Reste gezielt zu verwerten. Hier werden auch Ideen rund um einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln vermittelt und spielerische Anreize geschaffen, wertschätzender mit Lebensmitteln umzugehen.

Die Konsumausgaben für Lebensmittel sind insbesondere in Deutschland als vergleichsweise niedrig anzusehen, damit sinkt auch die Wertschätzung für Lebensmittel. Es werden größere Mengen eingekauft, und folglich verderben Waren zu Hause, wenn Verbraucher den Überblick über ihre Vorräte verlieren und diese nicht rechtzeitig verwerten. Preise, die den wahren Wert von Produkten wiederspiegeln und auch Umwelt- und soziale Kosten berücksichtigen, könnten ein wichtiger Hebel sein, um das Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen.

Schließlich ist die Förderung und Vernetzung von kommunalen Aktivitäten mit Handelsunternehmen, Erzeugern, Verarbeitern, Bildungsorganisationen  und Vereinen vielversprechend, um Verbraucher vor Ort einzubinden und das Thema erlebbar zu machen.

Gerne können Sie auch in diesem Zusammenhang den Vortrag des KErn zum Thema Lebensmittelverschwendung auf der FIT-Seite ansehen.